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Jun 27th, 2012 Comments: 0

Dassault Mercure – Parallelen zum HANSA JET Programm

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Mercure 100 im Einsatz für Air Inter

Obgleich beide Flugzeugmuster nicht unterschiedlicher in ihrem Design sein könnten, weisen der HANSA JET und die Dassault Mercure einige Gemeinsamkeiten in ihrer Projekthistorie auf. So waren die HFB 320, wie die Mercure 100, beides Hoffnungsträger ihrer jeweiligen Hersteller, die technologisch hervorragend – doch finanziell ein Flop waren.

Dassault, wie die Hamburger Flugzeugbau GmbH, hatten mit ihren Entwicklungen Neuland betreten. Für Dassault war die Mercure das erste Verkehrsflugzeugmuster, während der HANSA JET für HFB das erste, nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig selbst entwickelte und produzierte Flugzeugprojekt überhaupt war.

So blieb es nicht aus, dass beide Hersteller ihren Wagemut mit Lehrgeld teuer bezahlten. Für Dassault blieb es der einzige Versuch, sich im Segment der großen Verkehrsflugzeuge zu etablieren. HFB verlor seine Selbständigkeit und fusionierte mit Bölkow und Messerschmitt zu MBB.

Und noch eine Gemeinsamkeit: die Mercure und der HANSA JET wurden in pan-europäischer Kooperation gefertigt. Beide Hersteller wählten dafür u.a. die spanische CASA aus, die heute ein Teil von Airbus ist. Zudem bekamen weiter entwickelte Versionen, wie die HFB 330 FAN JET und die Mercure 200, von ihren jeweiligen Herstellern keine Chance auf Verwirklichung. So konnten beide Muster nicht unter Beweis stellen, welches Potential in ihnen steckt. Kommerziell, wie technologisch.

Die Mercure 100 wurde als 150sitziges Verkehrsflugzeug mit einer Reichweite von ca. 1.000 Kilometern für Kurzstreckenflüge konzipiert. Als Antrieb dienten die bewährten, auch bei den konkurrierenden Boeing 737, Boeing 727 und Douglas DC-9 verwendeten Pratt & Whitney JT8D Motoren. Auf den ersten Blick ähnelt die Mercure dem späteren Erfolgsschlager Airbus A320. Und hätte Dassault ausreichendes Vertrauen in sein eigenes Konzept gehabt, wäre es beim Bau der projektierten Mercure 200 mit CFM 56-Triebwerken und einer wesentlich grösseren Reichweite vielleicht niemals zur etwa gleich grossen, europäischen A320 gekommen.

So blieb es bei dem Basismuster, das am 28. Mai 1971 zu seinem Erstflug startete. Ganze zwölf Exemplare verließen die beiden Endmontagelinien in Istres (10 Serienflugzeuge) und Mérignac (2 Prototypen). Air Inter blieb der einzige Kunde für die Mercure, die eine großartige Sicherheitsbilanz über ihren Einsatzzeitraum von 19 Jahren vorweisen konnte. Zwischen dem ersten kommerziellen Linienflug am 4. Juni 1974, und der Ausmusterung aus dem Liniendienst am 11. Juli 1983, legten die elf von Air Inter eingesetzten Mercure (10 Serienflugzeuge + umgebauter Prototyp 02) 440.000 Flüge zurück, auf denen 44 Millionen Fluggäste unfallfrei transportiert wurden.

Wolfgang Borgmann

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