Es war einmal in Istanbul

In regelmäßigen Abständen kommt die Frage auf, was eigentlich aus der anfänglich verhandelten Maschine aus der Türkei geworden ist. Auch besteht bei vielen unsern Lesern Unklarheit darüber, warum wir uns im Lauf der Zeit nach Alternativen umsahen und in der WN1025 schließlich fanden.

In den Protokollen ist es vermerkt, diverse Rundbriefe und E-Mails geben es her – wir verhandelten ab 2005 nicht ohne Grund über den Einkauf der WN 1025 an Stelle der WN 1043.

Hier also unsere kleine Zusammenfassung der Geschehnisse seit 2003: Als der Eigentümer im selben Jahr anläßlich der Hamburger Airportclassics mit seinem HANSA JET in Hamburg landete, keimte die Idee auf, diesen Flieger zu erwerben, nach Hamburg zu überführen und als fliegendes Museumsstück am Hamburger Flughafen zu stationieren. Und erschien ja auch alles wirklich greifbar – man hätte nur einen Verein als Träger gründen und Sponsoren gewinnen, den Verkäufer ausbezahlen müssen und schon hätte alles seinen Weg gehen können… hätte… können…

Es sollte jedoch nicht absehbar sein, daß es sich als so schwer erweisen würde, die benötigten finanziellen Mittel einerseits aufzubringen und auf der anderen Seite der Verkäufer des HANSA JET eine Entwicklung seiner Preisvorstellung präsentiert, die eher an einen Börsenkurs erinnert als an reelle Verkausverhandlungen – und er letzten Endes ein für ihn wirklich gutes Angebot ausschlägt und es bevorzugt, seinen Flieger lieber auszuschlachten.

Als alle Zeichen noch auf “WN 1043″ standen, erfolgten mehrere Flüge verschiedener Vereinsmitglieder zur Inspektion des Flugzeugsnach Istanbul. Der Verkäufer war auch in Hamburg, um bei einem von uns beglichenen Anwaltstermin vorzusprechen. Doch wer konnte schon ahnen, daß er sich so unberechenbar aufstellen würde? Die heute in Hannover/Laatzen ausgestellte WN 1026 gehörte lange zuvor ebenfalls diesem Herrn – der hierzulande seine Rechnungen nicht beglich, so daß der Flieger letztendlich beschlagnahmt wurde. Und einem solchen Handelspartner waren wir während der Verhandlungen ausgesetzt – ohne dieses zunächst zu erahnen.

Im Jahre 2003 waren es bei ersten Sondierungen noch 600.000,- € in anbetracht einer möglichen Beteiligung seitens eines Großsponsors. Die Zahl sank dann auf einen Wert in Höhe von 100.000,- € und stieg dann aber wieder auf 300.000,- €. Der Satz “give me something, my heart belongs to the HANSA JET” ließ auf eine nunmehr symbolische Größe hoffen, die dann plötzlich geforderten 200.000,- € ließen jedoch wieder die Mundwinkel nach unten gleiten. Wie ein Aal schlüpfte unser Freund immer wieder durch die Maschen und ließ sich nicht im Entferntesten auf eine Summe festlegen.

Im Sommer 2005 schien jedoch endlich Licht am Horizont: Das Angebot des Verkäufers: 60.000,- € seien sofort zu zahlen, der HANSA JET werde dann nach Hamburg überführt, eine Nachzahlung in Höhe von 40.000,- € sei dann binnen eines Jahres zu erbringen. Sollte diese Zahlung nicht abzuleisten sein, so würde der Flieger wieder an den Verkäufer zurückgehen. Nach langer Durststrecke kam dann plötzlich der Durchbruch in der Sponsorensuche und die Aussicht auf Sponsorengelder trieb uns dazu, den Verkäufer zum Vertrag zu bitten.

Doch plötzlich waren es nicht mehr die vorher genannten Konditionen, sondern es sollten 100.000,- € gezahlt werden – im Vorwege! Bankgarantien oder sonstige Sicherheiten wurden abgelehnt! Auch dieses Ziel schien nicht unerreichbar, und so kamen wir nach nur wenigen nervenauftreibenden Tagen auf eine Summe in Höhe von 100.000,- €. Selbst unser Freund schien in Anbetracht dieser Aussicht begeistert, fügte jedoch noch mit an, er würde selbstverständlich eine in der Türkei zu zahlende Steuer in Höhe von weiteren 30.000,- € auf den Kaufpreis aufschlagen. Nervenaufreibende Debatten und Versammlungen führten schließlich zu dem nicht unumstrittenden Entschluss, auf diese Forderung einzugehen und einer Zahlung von 130.000,- € zuzustimmen.

Gekauft? Nein! Denn nun waren ja wieder ein paar Wochen ins Land gegangen, und die Steuerlast hatte sich plötzlich um weitere 15.000,- € in die Höhe geschraubt. In einem Telefonat mit Wolfgang Borgmann ließ er verlauten, er bestünde auf 145.000,- €, davon wären allein 45.000,- € Steuerlast, dieser Betrag sei bei Abholung in Istanbul zu entrichten und ein Akkreditiv sei in seinen Augen ein Zeichen fehlenden Respektes. Die ihm nun angebotenen 130.000,- € per Akkreditiv schlug er aus, man werde alternativ die WN 1043 im Sommer ausschlachten. Im März 2006 erreichte uns dann die E-Mail, die das Ende aller unrühmlicher Verhandlungen bedeutete:

Dear Mr. Wolfgang

Thank you and thank you to your coligs for your interest in our Hansa Jet. We have evaluate again your offer and decided not to send the aircraft to Germany. We made a desicion that we will donate our Hansa Jet to the museum in Istanbul which we have donated before a DC-3. If you do purchase an Hansa Jet we will be glad to suport you technicnly and provide you with spare parts. Please do not hesitate to call me any time.
Best Regards, Ali S.

Und nun ist die WN 1025 für uns die einzige Alternative, jemals einen HANSA JET als flugfähiges Exemplar dieses Baumusters zu erhalten – sobald die Flugfähigkeit überhaupt erst einmal wieder hergestellt ist. Und genau das wird erreicht.

Randnotiz: Ein mit uns in Kontakt stehender LTU-Pilot berichtete, die 1043 stünde weiterhin abgedeckt in IST und erscheine vollständig und unangetastet. Auch andere Quellen senden uns regelmäßig Fotos zu, so daß wir auch im Jahr 2010 eines sicher wussten: Die WN1043 existiert unangetastet – so viel also zum Thema Museum! Allen Schätzungen zufolge wird der Flieger weiterhin zurückgehalten, denn warum sollte man etwas einem Museum schenken, wenn doch in Hamburg ein Verein existiert, der womöglich noch einmal Bedarf anmelden könnte…

TC-LEY im Oktober 2010 - vollständig und wohlbehalten auf dem Flugplatz Istanbul......etwa 4 Jahre nach ihrer Übergabe an ein Museum und ihrer zeitgleichen, vollständigen vorhergehenden Verschrottung - oder auch nicht! Es ist wirklich schade um sie...

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